Knif­fe­li­ge Ret­tung ohne schwe­re Gerät­schaf­ten

Am 09.04.2018 rückt kurz nach 19 Uhr unser Lösch­fahr­zeug voll besetzt zu einem etwas unge­wöhn­li­chen Ein­satz aus. Gegen 18 Uhr des­sel­ben Tages ent­schei­det sich Horst Dum­my kurz­fris­tig, den im Gar­ten ste­hen­den Baum zurück zu schnei­den.

Durch eine Unacht­sam­keit ver­liert Horst das Gleich­ge­wicht und stürzt in die Tie­fe, direkt auf den unter dem Baum befind­li­chen Gar­ten­zaun. Dort bohrt sich ein über­ste­hen­der L-Stahl­pfos­ten durch den Schul­ter­be­reich, Horst bleibt schwer ver­letzt auf dem Gelän­der lie­gen. Soweit das für die­se Übung „Tech­ni­sche Hil­fe“ ange­nom­me­ne Ein­satz­sze­na­rio, dass aller­dings ganz und gar nicht abwe­gig ist.


Ziel war es, mit den uns zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln eine Pati­en­ten­ge­rech­te, also sehr scho­nen­de Ret­tung zu bewerk­stel­li­gen, den­noch unter der Berück­sich­ti­gung der „Gol­de­nen Stun­de“, also unter dem Druck das der Pati­ent spä­tes­tens nach einer Stun­de im Trau­ma­zen­trum ankommt und medi­zi­nisch behan­delt wer­den kann.

Bei der „Ver­let­zung“ ist es je nach Art der Ver­let­zung und des ein­ge­drun­ge­nen Gegen­stan­des nicht mög­lich, die schwe­ren Ret­tungs­ge­rä­te wie Ret­tungs­sche­re oder Sprei­zer ein­zu­set­zen, da die auf den Pati­en­ten wir­ken­den Scher­kräf­te zu einer mög­li­chen Ver­schlech­te­rung der Situa­ti­on füh­ren könn­ten. Auch ein simp­les Anhe­ben und ent­fer­nen des ein­ge­drun­ge­nen Gegen­stan­des ver­bie­tet sich, es besteht die Annah­me das der Stahl­pfos­ten die Wun­de gut ver­schließt, ein ent­fer­nen könn­te eben­falls zu einer mas­si­ven Ver­schlim­me­rung der Blu­tun­gen füh­ren.

Nach Ankunft an der Ein­satz­stel­le wur­de der Grup­pen­füh­rer durch den vor Ort befind­li­chen Not­arzt in die Lage ein­ge­wie­sen, der Pati­ent war bei Bewusst­sein, Ansprech­bar, Schmerz­tech­nisch behan­delt und konn­te scho­nend geret­tet wer­den. Der gesam­ten Ein­satz­grup­pe wur­de die Situa­ti­on mit­ge­teilt, man begut­ach­te­te die Lage gemein­sam und in der Grup­pe wur­de das bes­te Vor­ge­hen bera­ten und kurz dis­ku­tiert.


Man ent­schied sich für eine ers­te Sta­bi­li­sie­rung der Per­son und ein Durch­tren­nen des Pfos­tens zur Ret­tung der Per­son. 

Es wur­de ein Abla­ge­platz für die Gerät­schaf­ten defi­niert, das gesam­te mög­li­cher­wei­se zum Ein­satz kom­men­de Mate­ri­al wur­de dort in Griff­wei­te abge­legt.

Ein Lösch­an­griff wur­de zum Brand­schutz auf­ge­baut, durch die Tren­nung mit Fun­ken­flug geht eine erhöh­te Brand­ge­fahr ein­her.


Bei sol­chen Übun­gen und Ein­sät­zen ist ein Erfolg nur garan­tiert wenn Feu­er­wehr und Medi­zi­ni­sche Ret­tung Hand in Hand arbei­ten. Eine gute Kom­mu­ni­ka­ti­on der ein­ge­setz­ten Trupps ist eben­falls ele­men­tar wich­tig. Das die ver­un­fall­te Per­son die gan­ze Zeit über betreut und über die Maß­nah­men infor­miert wird ist selbst­ver­ständ­lich. Es zeigt sich fort­lau­fend, dass die guten und Anspruchs­vol­len Übun­gen einer­seits ihre Wir­kung nicht ver­feh­len, ande­rer­seits arbei­tet die Mann­schaft sehr dis­zi­pli­niert und kon­zen­triert. Gera­de sol­che Sze­na­ri­en sind zwar nicht spek­ta­ku­lär aber hoch Anspruchs­voll.